Entwicklung der einzelnen Gemeinden seit 2006

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QUO VADIS JESTEBURG?

Jesteburg zwischen Dorfkultur und Großstadtdruck

 

Politiker unterschiedlichster Colör rufen bereits den drohenden Notstand für unsere Gemeinde aus. Bezahlbarer Wohnraum fehle und neue Bauplätze seien ein Muss. Dichter und höher müsse unser Ort bebaut werden, damit Jesteburg eine Zukunft habe, denn

  • Mitarbeiter der ortsansässigen Unternehmen fänden keinen Platz für sich und ihre Familien,
  • Mitbürger mit vergleichsweise geringem Einkommen müssten bereits fortziehen, weil die Kosten für Mieten und Baugrundstücke unbezahlbar seien.

 

Leider scheinen einige Politiker in dieser Diskussion die allgemeine Lage in Deutschland und die Realität in Jesteburg zu vermischen. Belastbare Fakten für unsere Samtgemeinde? Fehlanzeige! Allgemeine Behauptungen werden zu Fakten erklärt und bilden die Grundlage vieler Diskussionen.

Bis heute liegen keine offiziellen Daten der Gemeinde vor, die explizit unsere Jesteburger Situation und Bedarfe objektiv und belastbar beleuchten (z.B. zum Thema „sozialer Wohnungsbau“).

Was für Harburg oder Buchholz gilt, muss noch lange nicht der richtige Weg für Jesteburg sein.


Unstrittig sind nur wenige Fakten:

  • Hamburg wächst und das südliche Umland ist für Pendler weiterhin sehr attraktiv. Gute Verkehrsanbindungen, eine gute Versorgung mit allen Dingen des täglichen Bedarfes und eine sehr gute ärztliche Grundversorgung bieten sowohl jungen Familien als auch Senioren viele Möglichkeiten, sich im Landkreis Harburg zuhause zu fühlen.
  • Die Einwohnerzahl in Jesteburg wird kaum steigen, langfristig (bis 2035) wird sie sogar eher sinken. Die Sterbefälle werden nicht mehr durch Geburten oder Zuzüge ausgeglichen. Der Zuzug junger Familien kann vorübergehend noch zu einer erhöhten Nachfrage nach Kinderbetreuung und Schulbildung führen, langfristig werden aber Überkapazitäten im Bildungs- und Betreuungssektor entstehen.
  • Potentielle Neubürger für Jesteburg sind eher einkommensstark und suchen Eigentum in dörflicher Idylle, die gleichzeitig ein zeitgemäßes Lebensumfeld bietet.

Es gibt keine einfache Lösung frei nach dem Motto „Mehr Wohnraum schaffen und alles ist paletti“. Junge Familien und ältere Mitbürger stellen unterschiedliche Anforderungen an unsere Gemeinschaft. Beide Zielgruppen ausreichend zu bedienen, ist der Spagat, der Jesteburg in den kommenden Jahren gelingen muss.

Hierbei muss die Gemeinde aber auch ihre finanziellen Möglichkeiten im Blick behalten, denn eine generationengerechte Weiterentwicklung unserer Gemeinde bedeutet auch, trotz aller Forderungen nach mehr Wohnraum (Stichwort „Siedlungsdruck„), dass die Gemeinde Augenmaß walten lässt und die Jesteburger Natur und ihre finanzielle Handlungsfähigkeit im Blick behält.

Der Zuzug junger Familien verursacht für die Gemeinde erhebliche Folgekosten (z.B. Kita und Schule) und die ungebremste Ausweisung neuer Baugebiete bedroht die dörflich-ländliche Grundstruktur und verursacht ebenfalls erhebliche Folgekosten (z.B. Verkehrsführung).

Die Schaffung von seniorengerechten Wohnungen in der „Ortsmitte“ kann ein wichtiger Beitrag dafür sein, dass auch in ihrer Mobilität eingeschränkte, ältere Mitbürger (z.B. nach einem Verkauf ihrer Eigenheime) im Ort einen optimalen Platz für ihren nächsten Lebensabschnitt finden. Diese bedarfsgerechte Versorgung unserer älteren Mitbürger mit Wohnraum, bietet die Chance, alte Wohngebiete zu überplanen und zu „revitalisieren“, so dass diese den Anforderungen junger Familien gerecht werden, ohne dabei den Charakter des Ortes zu verändern. Einfach „auf der grünen Wiese“ neue Baugebiete auszuweisen, mag für die Gemeinde und einige Wald- und Wiesenbesitzer der einfachere Weg sein, wird jedoch den heutigen Immobilienbesitzern in gewachsenen Wohngebieten nicht gerecht. Neue Baugebiete drücken den Verkaufspreis für Bestandsimmobilien und schmälern die Chancen für verkaufswillige ältere Mitbürger, ihre Immobilien gegen Wohnraum in der Ortsmitte zu „tauschen“.


 

Inwieweit die Gemeinde Jesteburg diesen Wandel aktiv mitgestalten wird, ist vor allem eine politische Entscheidung, die uns die kommenden Jahre immer wieder beschäftigen wird und die langfristige Konzeptionen mit eindeutigen Messkriterien voraussetzt. Hier sehen wir einen erheblichen Handlungsbedarf in der Gemeinde.

 

Die Beseitigung der aktuellen Wohnungsknappheit ist die herausragende Aufgabe für Mittel- und Großzentren (z.B. Buchholz, Tostedt, Winsen, Lüneburg und Hamburg-Harburg).

Unsere Gemeinde muss sich vor allem um das Wohl und die Anforderungen ihrer Bürger kümmern und durch eine moderate Umsetzung neuer Anforderungen an bestehende Baugebiete seine eigene Entwicklung vorantreiben („Innenverdichtung“).

Natürlich gehört dazu auch bezahlbarer (Miet-)Wohnraum für einkommensschwächere Jesteburger, jedoch muss nicht jede zukünftige Baumaßnahme der Gemeinde auf diese Zielgruppe ausgerichtet sein.

Nicht die Schaffung von Neubausiedlungen mit dreistöckigen Mehrfamilienhäusern (siehe Beitrag Brettbeekskoppeln), sondern die Integration von einzelnen, kleinen Wohneinheiten in bestehende Baugebiete ist aus unserer Sicht der langfristig bessere Weg für unsere Gemeinde.

Die Ansiedlung von großstadttypischen Verbrauchermärkten und der Bau von überdimensionierten (Gewerbe-)Neubauten bedroht die gewachsene Jesteburger Ortsstruktur und wird den Anforderungen des Landkreises an das Erholungsgebiet Jesteburg wenig gerecht.

Jesteburg hat in den vergangenen Jahren eine große Anzahl neuer Baugebiete ausgewiesen und damit seine Naturlandschaft erheblich beschnitten. Derzeit scheint diese Gemeindepolitik nach wie vor mehrheitsfähig zu sein und soll weiter vorangetrieben werden. Mehrgeschossbauten mögen die Lösung für Mittel- und Großzentren sein, für Jesteburg sind sie der falsche Weg. Wir setzen, falls überhaupt notwendig, auf eine dorfangepasste Verdichtung im Bestand.


Wir haben für Sie einige Fakten zusammengetragen und sie auf unsere Gemeinden heruntergebrochen. Als zukunftsweisende Messgrößen haben wir in unseren Bewertungen den Entwicklungen bei den Altersgruppen „unter 6 Jahre“ und „21-30 Jahre“ ein besonderes Augenmerk geschenkt. Diese Gruppen werden erheblich die Entwicklung der Kosten in der Gemeinde beeinflussen und bieten sich auch als Messgrößen für mittelfristige Investitionen im Betreuungs- und Bildungsbereich an.

Klicken Sie die Bilder einfach an und die Grafiken öffnen sich ein einem separaten Fenster.


Insgesamt ist die Samtgemeinde Jesteburg seit 2006 kaum gewachsen und die Gewichtung der Mitgliedsgemeinden Jesteburg, Bendestorf und Harmstorf untereinander hat sich ebenfalls kaum verändert. Die große Mehrheit der politischen Kräfte setzt seit Jahren auf „Wachstum“. Hierfür sollen in den kommenden Jahren Millionenbeträge investiert und weitere Gemeindeflächen zu Baugebieten umgeplant werden.

 

Samtgemeinde Jesteburg

In der Samtgemeinde Jesteburg leben knapp 12.000 Bürger. Die einzelnen Mitgliedsgemeinden setzen unterschiedliche Schwerpunkte in der Ortsentwicklung. Die Gemeinde Jesteburg, hier leben gut 70% aller Samtgemeindebürger, setzt auf Wachstum und will Leistungen erbringen, die weit über die Anforderungen an ein Grundzentrum hinausgehen.

Über das gesamte Samtgemeindegebiet ist zu erkennen, dass es an Nachwuchs fehlt. Seit 2006 ist die Zahl der Kinder unter 6 Jahre um gut 21% gesunken. Mittelfristig werden dementsprechend auch die Schülerzahlen erheblich sinken (Quelle: Landesamt für Statistik Hannover).

In der Altersgruppe 21-30 Jahre ist es der Samtgemeinde gelungen um über 13% zu wachsen, was auf eine langfristige Verjüngungskur der Samtgemeinde hoffen lässt. Diese Entwicklung fällt allerdings im Detail unterschiedlich aus und besonders Itzenbüttel und Harmstorf müssen aufpassen.

 

 

 

 


 

Gemeinde Jesteburg

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Jesteburg (Dorf), Itzenbüttel und Lüllau. Im Dorf Jesteburg leben gut 78%, in Lüllau gut 8% und in Itzenbüttel knapp 14% aller 8.438 Jesteburger. Der Gemeinde ist es bisher nicht gelungen, den Abwärtstrend bei der Altergruppe bis 6 Jahre umzukehren. In Jesteburg leben verglichen mit 2006 fast ein Viertel weniger Kinder unter 6 Jahre. Besonders dramatisch stellt sich die Situation in Itzenbüttel dar (minus 73%).

Bei der Altersgruppe 21-30 Jahre können das Dorf Jesteburg (+ 19%) und der Ortsteil Lüllau (+ 31%) einen erfreulichen Zuwachs verzeichnen.

 

 

 

  • Jesteburg (Dorf)

Das Dorf Jesteburg ist das Grundversorgungszentrum in der Samtgemeinde und sieht sich seit Jahren mit vielen Anforderungen konfrontiert, die in einem scheinbaren Widerspruch mit einer dörflichen Struktur liegen. Mit 6.458 Bürgern ist der Ortsteil Jesteburg verglichen mit Lüllau (704) und Itzenbüttel (1.139) besonders prägend für die Entwicklung der Gemeinde Jesteburg.

Die Entwicklungen bei der Altersgruppe bis 6 Jahre (minus 16%) und die Hochrechnungen des Landesamtes Hannover lassen Zweifel aufkommen, wie das sich immer weiter ausweitende Angebot im Bildungs- und Betreuungssektor langfristig mit Jesteburger Kindern und Jugendlichen betrieben werden soll. Gleichwohl ist es gelungen, in der Altersgruppe 21-30 Jahre einen Zuwachs von 19% zu erreichen.

 

 

 

  • Itzenbüttel

Der Ortsteil Itzenbüttel steht vor besonders großen Herausforderungen. Der Rückgang in der Altersgruppe bis 6 Jahre ist alarmierend (minus 74%!), die Altersgruppe 21-30 Jahre ist ebenfalls um 13 % geschrumpft und in keinem anderen Ortsteil und keiner anderen Mitgliedsgemeinde ist der Anstieg der über 70 Jährigen (+ 75%) so eklatant wie hier.

 

 

 

  • Lüllau

Der kleinste Ortsteil der Gemeinde Jesteburg kann sich über eine positive Entwicklung in den Altersgruppen bis 6 Jahre (+ 14%) und 21-30 Jahre (+ 31%) freuen, ist aber auch besonders von einer überdurchschnittlichen Zunahme in der Altersgruppe 51-60 Jahre betroffen.

 

 


 

Bendestorf

Bendestorf ist die zweitgrößte Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde (2.549 Einwohner) und ist in den vergangenen 10 Jahren prozentual am stärksten gewachsen. Ihr ist es besser als allen anderen Gemeinden gelungen, bei beiden Altersgruppen (bis 6 und bis 30 Jahre) zuzulegen. Gleichzeitig nimmt aber auch die Zahl der älteren Mitbürger überproportional zu.

 

 


 

Harmstorf

Die Gemeinde Harmstorf (893 Einwohner) ist die einzige Gemeinde, die kontinuierlich geschrumpft ist. Sie verliert zunehmend an Attraktivität bei den jüngeren Altersgruppen.

Während in der Altersgruppe 21-30 Jahre der Rückgang noch „moderat“ ausfällt (minus 12%) ist er bei der Altersgruppe 31-40 Jahre noch dramatischer (minus 53%) als bei den Kindern bis 6 Jahre (minus 47%).

 

 

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