BOSSARD – Kunsthalle

KUNST STATT NATUR

- 20.0000 qm Wald sollen der Kunststätte Bossard zum Opfer fallen

Stagnierende Besucherzahlen, bröckelnde Gebäude, restaurierungsbedürftige Kunstwerke und verwilderte Gartenanlagen – Kunstliebhaber schlagen Alarm und wollen die Kunststätte Bossard umfassend modernisieren und das Angebot erheblich erweitern. Dafür scheinen sie bereit zu sein, die Kunststätte in ein Art „Disneyland“ der Nordheide zu verwandeln. Die Kunststätte Bossard soll um einen monströsen Monumentalbau ergänzt werden, in dem Besucher zusätzlich zum „Bossard-Erlebnis“ wechselnde Ausstellungen anderer Künstler ebenso genießen können wie Kulinarisches im integrierten Café.

Die Bossards haben ihre Lebens- und Schaffenswelt in ein Gesamtkunstwerk verwandelt, das nach Einschätzung vieler Kunstverständiger einzigartig und erhaltenswert ist. Auch wir wollen, dass die Kunststätte Bossard langfristig erhalten bleibt. Sie spiegelt in beeindruckender Weise einen Zeitgeist wieder, in den politisch umstrittenes Gedankengut seinen Eingang fand. Doch der jetzt angedachte Weg zur Rettung der Kunststätte passt weder in das Naherholungsgebiet noch ist erkennbar, welchen nachhaltigen Nutzen die Jesteburger von einer Umsetzung haben würden.

Für uns ist das Konzept aus ökologischer, gesellschafts- und verkehrspolitischer Sicht nicht zu verantworten.

Die geplante Neuausrichtung als „Kunsthalle Lüneburger Heide“ mit Streichelzoo und Kinderspielplatz würde den Besucherstrom fast verdreifachen (geplant sind 30.000 Besucher p.a.).

Ob diese Entwicklung im Sinne von Johann Michael Bossard wäre? Er war bis zum Schluss überzeugt, dass sein künstlerisches Wirken für sich selbst spräche und Heidewanderer in seinem Kunsttempel durch innere Einkehr einen Weg zum „besseren Menschen“ finden.

Die Bossards haben ihre Lebens- und Schaffenswelt in ein Gesamtkunstwerk verwandelt, das nach Einschätzung vieler Kunstverständiger einzigartig und erhaltenswert ist. Mit dem jetzt vorgestellten Konzept wird das grundlegende Ansinnen des Künstlerehepaares Bossard ad absurdum führt. Die Bossards wollten eine „schönheitliche Quelle“ und einen „Ort der inneren Einkehr für alle Heidewanderer erschaffen.

Nach über 40 Jahren im Dornröschenschlaf wurde die Kunststätte 1995 in eine Stiftung überführt. Mit ihrer Hilfe soll das Lebenswerk der Bossards erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Viele „kleine“ Sponsoren tragen seitdem dazu bei, die Kunststätte Stück für Stück wieder instand zu setzen. Meilensteine der erfolgreichen Stiftungsarbeit sind unter anderem:

  • 2012: Die Europäische Kommission und der europäische Dachverband Europa Nostra haben die Stiftungsarbeit für die Restaurierung und Erhaltung des sogenannten „Zweiten Tempelzyklus“ ausgezeichnet.
  • 2016: Die Wandbemalungen des Musikzimmers von 1922 konnten vor dem drohenden Verfall gerettet werden.
  • 2017: Dank der großzügigen, finanziellen und räumlichen Unterstützung durch die Gemeinde Jesteburg entstand in der Ortsmitte (Alte Schule am Sandbarg) ein Schaumagazin. Es bietet Platz für tausende der insgesamt über 7.000 Kunstwerke umfassenden Bossard-Sammlung.

Diesen Weg Schritt für Schritt konsequent weiterzugehen mag mühsamer sein als mit hohen Investitionssummen große Fördertöpfe anzuzapfen, wäre aber sicherlich eher im Sinne der Bossards. Die Kunststätte bliebe weiterhin, was sie eigentlich sein will: Ein stiller Ort der Kunst mitten im Wald.

Konzeptdetails

Die folgenden Abbildungen haben wir der veröffentlichten Präsentationsvorlage „Bossard neu denken“ entnommen.

Eingangsgebäude

Der geplante Gebäudekomplex (Gesamtfläche ca. 2.300 qm) soll direkt am Bossardweg enstehen. Das Gebäude soll unter anderem Platz für Austellungen, Aktionsprogramme, Filmvorführungen, Büro- und Lagerflächen und gastronomische Angebote bieten. Derzeit stellen sich die Initiatoren eine Außenverkleidung des Gebäudes mit Beton, Holz oder Blech vor.

Parkplätze

Das aktuelle Konzept sieht 357 Parkplätze für PKWs und Busse vor. Dafür müsste ein intaktes Waldgelände in der Größe von fünf Fußballfeldern (ca. 20.000 qm) geopfert werden. Neben den ökologischen Folgen ist aus unserer Sicht weder für PKWs geschweige denn für Busse eine sinnvolle Verkehrsanbindung über den Bossardweg, den Hasseler Weg oder den Schierhorner Weg möglich.

Hintergründe

Aktuell:

Der Bund und der Landkreis Harburg sind bereit, die Umsetzung der Konzeptidee „Kunsthalle Lüneburger Heide“ zu unterstützen. Der Bund hat die Übernahme von 5,38 Millionen Euro (50 % der Investitionskosten) und der Landkreis von 2,0 Millionen Euro (rund 20 % der Investitionskosten) zugesagt. Beide Zusagen stehen unter dem Vorbehalt, dass die restlichen Mittel von 3,38 Millionen Euro anderweitig eingeworben werden.

Neben diesen Zusagen hat sich der Landkreis im Dezember 2019 außerdem bereit erklärt, die jährlichen Zuschüsse für die laufenden Geschäfte der Stiftung von 100.000 Euro auf 400.000 Euro für mindestens die nächsten fünf Jahre zu erhöhen. Insgesamt würden somit die jährliche Zuwendungen an die Stiftung Bossard auf fast eine halbe Million Euro (Landkreis: 400.000, Gemeinde Jesteburg: 25.000 und die Sparkasse Harburg-Buxtehude: 50.000 Euro) anwachsen. Ob auf die Gemeinde weitere Belastungen zukommen werden, ist bisher nicht klar. Sollten die Neubaupläne umgesetzt werden, müssen auf jeden Fall weitere Infrastrukturinvestitionen getätigt werden, über deren Umfang und Kostenübernahme bisher geschwiegen wird.

Doch alle Finanzierungszusagen wären nichts wert, wenn Jesteburg nicht die planerischen Voraussetzungen (Aufstellung eines Bebauungsplanes (Gemeinderat) und eine Änderung des Flächennutzungsplanes (Samtgemeinderat) schaffen würde. Ob Jesteburg dazu bereit ist, wird in den kommenden Wochen im Bauausschuss öffentlich beraten werden.

Die Bossards:

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte die zunehmende Industrialisierung immer mehr Werte außer Kraft, die über Jahrhunderte das Leben der Menschen bestimmt hatten. Wie viele Künstler und Intellektuelle wurde auch Johann Bossard von der damals aufkommenden vielschichtigen Lebensreformbewegung beeinflusst, die nach dem „neuen Menschen“ suchte. Bossard wollte eine „schönheitliche Quelle“ schaffen, die allen Heidewanderern als Ort der inneren Einkehr dienen sollte.

Sein Weltbild war stark von germanischen und nordischen Sagen und Mythen geprägt. Bossard war überzeugt von der Idee des Herrenmenschen, die sich auch in seiner Nähe zu völkischen Bünden und den Nationalsozialisten wiederspiegelte. Auch wenn er nie Mitglied der NSDAP war, so gibt es dennoch keinen uns bekannten Beleg dafür, dass er seinen Vorstellungen von dem deutschen Übermenschen abgeschworen hatte.

1911 erwarb er das gut drei Hektar große Waldgrundstück vor den Toren Lüllaus und verwirklichte, später gemeinsam mit seiner Frau, über viele Jahre hinweg seine Vorstellungen von einer besseren Welt. Dabei verwendete das Künstlerehepaar unterschiedlichste Stilmittel und schuf ein ungewöhnliches Gesamtkunstwerk.

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