GANZTAGSSCHULE – Raumprogramme

ZUKUNFT DER GRUNDSCHULEN GEFÄHRDET

- Ratsmehrheit streicht Finanzmittel für die Schulen drastisch zusammen

Viele hatten es bereits vor der Ratssitzung befürchtet – Die Ratsmehrheit hat sich nicht zu einer klaren Position zum Thema „Grundschulen“ durchringen können. Der Rat ignorierte sowohl die aufwendig erarbeiteten Gutachten als auch die Empfehlungen seines Fachausschusses. Stattdessen wurde beschlossen, die Investitionen für „Gute Schulen“ drastisch zu kürzen. Die Gutachter hatten Investitionen in Höhe von mindestens 17 Millionen Euro empfohlen, die Ratsmehrheit hält 10,5 Millionen Euro für ausreichend.

Wir haben uns dafür eingesetzt, dass der Rat den Empfehlungen der Fachleute folgt. Die Empfehlungen der Gutachter und Lehrkräfte waren unmissverständlich: Gute Bildung braucht gute Räume.

Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum viele Ratsmitglieder überzeugt sind, besser als ausgewiesene Sachverständige und Lehrkräfte beurteilen zu können, welcher Raumbedarf für zukunftsorientierte Lernumgebungen notwendig ist.

Mit der Rücküberweisung in den Fachausschuss hat der Rat diese Grundvoraussetzung für eine zukunftsorientierte Bildung verneint. Was nun vom Fachausschuss erwartet wird, erschließt sich uns nicht. Oder glaubt man allen Ernstes, dass die Gutachter und Lehrkräfte abweichend von den bundesweit anerkannten Empfehlungen zu der Erkenntnis gelangen werden, alle irren sich nur die Jesteburger Ratsmehrheit nicht?

Wir setzen darauf, dass Lehrer und Eltern sich nicht mit halbherzigen Lösungen abspeisen lassen und weiterhin für zukunftsfähige Lösungen kämpfen werden.

Gute Bildungsvoraussetzungen gibt es nicht zum Nulltarif

Statt endlich die dringend benötigten Beschlüsse für die räumlichen Anforderungen zu fassen und damit die Planungen einen wichtigen Schritt voranzubringen, versteckt sich die Ratsmehrheit hinter dem Thema „leere Kassen“. Als ob nicht bereits seit langem bekannt gewesen wäre, welche finanziellen Herausforderungen mit dem Thema Ganztagsschule auf die Mitgliedsgemeinden zukommen werden.

Gute Bildungsvoraussetzungen sind keine „Kann“-Option sondern eine Pflichtaufgabe für jede verantwortungsvoll handelnde Kommune, da sind SPD und UWG Jes! einer Meinung. Nach jahrelangen Vertröstungen durch die Politik, wäre es jetzt an der Zeit gewesen, endlich ein klares Zeichen für eine nachhaltige Bildungszukunft unserer Kinder zu setzen.

Die notwendigen Finanzierungsmöglichkeiten müssen konstruktiv erörtert werden. Deshalb hatten wir  vorgeschlagen, dass die Mitgliedsgemeinden auch über Einsparungsmöglichkeiten und vertretbare Mehrbelastungen der Bürger nachdenken mögen.

Doch statt einen konstruktiven Dialog darüber zu führen, versuchte die FDP umgehend das Schreckgespenst „unzumutbare Steuererhöhung“ heraufzubeschwören und warf mit abstrusen Zahlengebilden um sich („40% mehr“). Leider stimmten CDU, BWG, FWG und die Grünen in diesen Abgesang auf eine zukunftsorientierte Bildungspolitik ein. Sie sind sich einig: Nur mit Sparmodellen können die Ganztagspläne für die Grundschulen noch gerettet werden.

Enttäuschend, wir hatten erwartet, dass sich erfahrene Ratsmitglieder auch mit den finanzpolitischen Auswirkungen möglicher Schulmodernisierungen konstruktiv auseinandersetzen, statt auf einfache und bildungsferne Rhetorik zu setzen. Die jetzt vorgeschobene Diskussion um Finanzierungsmöglichkeiten lässt befürchten, dass die Ratsmehrheit die gleichen Fehler wie in Hamburg begehen wird: Ganztagsschulen „light“ mit unzureichenden Räumlichkeiten für Lehrkräfte und Kinder.

Die Konsequenzen müssen Lehrkräfte, Eltern und Kinder in Hamburg derzeit ausbaden: Ein hoher Krankenstand, überforderte Kinder und teure Nachbesserungen.

Stand der Dinge:

GRUNDSCHULE BENDESTORF

Grundsätzlich erfüllt das bisherige Schulgrundstück die gesetzlichen Vorgaben, um eine zweizügige Grundschule umzusetzen. Und grundsätzlich unterstützen wir die Bestrebungen, in Bendestorf ein attraktives Grundschulangebot sicherzustellen. Eine Grundschule vor Ort ist ein wesentlicher Standortfaktor für ein intaktes Gemeindeleben.

Um auf dem heutigen Grundstück eine nachhaltige Bildungsstätte für Grundschüler errichten zu können, müssen zusätzliche Räumlichkeiten entstehen. Bereits heute leidet die Sonnenschule unter erheblichem Platzmangel und ungenügenden Bedingungen für eine inklusive Schule. Für eine nachhaltige zweizügige Grundschule müsste die Fläche mindestens verdoppelt werden.

Dieses kann durch Umbauten im Bestand plus zusätzliche Gebäudeteile oder durch einen kompletten Neubau erreicht werden. Es ist abzusehen, dass der Schulhofbereich durch ergänzende Gebäude weiter schrumpfen würde, was für einen Ganztagsbetrieb schlecht wäre. Die Gutachter haben deshalb empfohlen, einen Neubau umzusetzen.

Trotzdem setzt die Mehrheit der Bendestorfer Ratsmitglieder auf eine Modernisierung und Erweiterung im Bestand – um Kosten zu sparen. Dafür ist man sogar bereit, unter den Empfehlungen der Gutachter für die räumlichen Mindestanforderungen zu bleiben.

Wir halten diesen Weg für falsch. Eine Investition für die kommenden Jahre sollte im Ergebnis ein Schritt in die Zukunft sein. Mit der geplanten Vorgehensweise würden der Sonnenschule alle Chancen auf eine „Gute Schule“ verbaut. Die Funktionsfähigkeit als Ganztagsschule wäre erheblich eingeschränkt und das pädagogische Konzept könnte nicht umgesetzt werden. Die Leidtragenden wären die Kinder, Eltern und Lehrkräfte.

Die Gutachter hatten unter Berücksichtigung des von der Schule erarbeiteten pädagogischen Konzeptes folgendes Fazit gezogen:

„Das vorhandene Grundstück mit den verschiedenen Anbauten und Erweiterungen, sowie die Turnhalle, sind geprägt durch eine starke Hanglage parallel zum Harmstorfer Weg. Dreiseitig ist das Schulgrundstück von privaten Grundstücken mit Wohnhäusern umgeben, die zur süd- und nordöstlichen Seite höher liegen und zum Südwesten abfallen.
 Die Bebauung weist nur nach Südwesten eine zusammenhängende bebaubare Fläche aus, welche jedoch mit einem Höhenversprung von ca. 2,5 versehen ist, nimmt man das zusätzlich erworbene Grundstück mit der Flurnummer 57/5 hinzu. Alle anderen umgebenden Flächen der bestehenden Gebäude sind sogenannte Restflächen, die baurechtlich keine Bebauung zulassen, da keine Abstandflächen zu dem Bestand und den angrenzenden Grundstücksgrenzen vorhanden sind.
 Die zur Verfügung stehende Fläche, abzüglich der notwendigen Grenzabstände bei einer eingeschossigen Bebauung beträgt 744 qm und bei einer zweigeschossigen Bauweise noch 661 qm.
 Die auch bei einem reduzierten Raumprogramm neu zu schaffende Fläche von ca. 1.331 qm ist daher nicht auf dem verbleibenden Grundstücksanteil realisierbar. Ungeachtet dessen, dass die verbleibende Restfläche einen äußerst unwirtschaftlichen Zuschnitt hat und ein Nachweis der Umsetzung funktional sinnvoller Zusammenhänge der benötigten Flächen fehlt.
 Weiterhin ist eine Ertüchtigung des Bestandes zur Behindertengerechtigkeit der wesentlichen Nutzflächen der Schule nur mittels vier Fahrstühlen und unter Reduzierung der bereits beengten Platzverhältnisse möglich.
 Diese grundlegenden Eckpunkte erübrigen eine weitere vertiefte Prüfung der Umsetzung einer zukunftsorientierten Schule an dem bestehenden Standort.

Eindeutige Aussagen, die jedoch vor allem von den Bendestorfer Ratsmitgliedern angezweifelt werden. Neben dieser Beratungsresistenz mancher Ratsmitglieder fehlen aus unserer Sicht auch nachvollziehbare Ortsentwicklungskonzepte für die Gemeinden Harmstorf und Bendestorf. Sie müssen die Grundlage dafür bilden, ob mittel- bis langfristig überhaupt die für eine Ganztagsschule unabdingbare Zweizügigkeit erreicht und gesichert werden kann. Derzeit droht die Sonnenschule in die dauerhafte Einzügigkeit abzurutschen, weil die Geburten und damit die zukünftigen Schülerzahlen nicht ausreichen.

GRUNDSCHULE JESTEBURG

Das Grundstück der Jesteburger Grundschule ist ausreichend groß, um das von den Lehrkräften erarbeitete pädagogische Konzept für eine zukunftsorientierte Ganztagsgrundschule umsetzen zu können. Ferner könnten zusätzliche/alternative Grundstücke (z.B. Reitplatzgelände) genutzt werden, um eine neue Grundschule zu bauen.

Die benötigten Räumlichkeiten könnten sowohl durch Um- und Anbauten im Bestand als auch durch einen kompletten Neubau der Schule erreicht werden. Die Gutachter haben aufgrund der pädagogischen Anforderungen an die Räumlichkeiten und des Zustandes der Bestandsgebäude empfohlen, die Schule neu zu bauen. Die Um- und Anbaukosten der alten Schule würden eher höher als ein Neubau ausfallen. Der Schulausschuss folgte dieser Empfehlung. Die Mehrheit des Samtgemeinderates zweifelt die Kompetenz der zuvor beauftragten Gutachter an und will stattdessen weitere Gutachten erstellen lassen.

Dafür wurden je Grundschule auf Antrag der SPD je weitere 50.000 Euro freigegeben. Für uns ist das eine Verschwendung von Steuergeldern. Deshalb haben wir gegen diese Ausgaben gestimmt.

Die Planungen gehen von einer weiterhin vierzügigen Grundschule aus, obwohl auch in Jesteburg die Geburtenzahlen für die kommenden Jahre eher auf eine Dreizügigkeit hinweisen. Jesteburg will diesem Trend durch die Ausweisung weiterer Wohnflächen begegnen. Die Verwaltung hat darauf hingewiesen, dass es in den vergangenen Jahren – trotz der Ausweisung weiterer Wohngebiete – nicht gelungen ist, den Rückgang der Schülerzahlen umzukehren.

Folgt man den Empfehlungen der Gutachter, müssten die notwendigen Räumlichkeiten um fast 75 Prozent erweitert werden. Derzeit favorisiert der Rat eine Sparversion, bei der die Flächen für die Räumlichkeiten der Kinder und Lehrkräfte fast ein Drittel unter den Empfehlungen liegen.

Sollte diese Variante umgesetzt werden, so würde ein Gebäude zur verfügung stehen, das nicht einmal den Grundanforderungen genügen würde, die von Experten an eine zukunftsorientierte Bildungsstätte im Ganztag gestellt werden.

Ausführliche Informationen über die von den Gutachtern und Lehrkräften erarbeiteten Raumprogramme haben wir Ihnen in dem folgenden Beitrag zusammengefasst.
Ausführliche Informationen über das Thema Ganztagsschule haben wir Ihnen in dem nachfolgenden Beitrag zusammengefasst.
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